Am Donnerstagmorgen wurde in Nürnberg einer 54-jährige Frau von der vollautomatischen, führerlosen U-Bahnlinie U3 erfasst und getötet. Einen technischen Defekt oder ein Fehlverhalten der automatischen U-Bahn wurde laut Merkur ausgeschlossen. Auch mit einer herkömmlichen U-Bahn mit Fahrer wäre ein rechtzeitiges Bremsen nicht mehr möglich gewesen.
Die U-Bahnlinie U3 wurde als erste führerlose U-Bahn Deutschlands im Juni eröffnet. Sie wird von Fahrzeugen der Baureihe DT3 betrieben. Da der Führerstand fehlt, können die Fahrgäste während der Fahrt direkt aus der Kabine in den Tunnel blicken.
Im Gegensatz zu der Métro Paris auf der vollautomatischen Métrolinie 14 wurde bei der U-Bahn in Nürnberg auf Glasscheiben an den Bahnsteigen verzichtet. Diese öffnen sich nur, wenn der Zug eingefahren ist und an der korrekten Position steht. Somit ist es unmöglich, dass die Fahrgäste auf die U-Bahngleise gelangen.
In Berlin gab es den führerlosen Betrieb auch schon: Ende der 80er Jahre wurde auf einer Teilstrecke der heutigen U2 die Berliner M-Bahn betrieben. Dies war eine automatische Magnetschwebebahn, die allerdings aufgrund der Wende wieder abgeschafft und durch die U-Bahn ersetzt wurde. Auch diese hatte Glastüren an den Bahnsteigen, wie in diesem Video schön zu sehen ist:
Via Hamburg-Traffic-Blog, Bahnerforum
Quellen: Wikipedia, merkur-online




The Exit
31. Oktober 2008
11:38 Uhr
Dass die Frau bei diesem Unfall gestorben ist, liegt aber weniger daran, dass die U-Bahn ohne Fahrer unterwegs war. Selbst mit Fahrer ist man tot, wenn man vor die einfahrende U-Bahn fällt, weil der Bremsweg selbst bei sofortiger Reaktion des Fahrers zu lange ist.
Nico
31. Oktober 2008
11:45 Uhr
@The Exit: Ich habe noch einen Satz ergänzt um es deutlicher zu machen. Danke für den Hinweis!
Schaffner
31. Oktober 2008
17:24 Uhr
Nico, der Unfall ereignete sich bereits am Morgen gegen 09.04 Uhr. Das sagt zumindest die Pressemitteilung der VAG.
Es ist wirklich tragisch, dass sich solche Unfälle im deutschen U-Bahnsystem nicht vermeiden lassen. Es gibt da ein ambitioniertes Projekt, das das Gleisbett in den U-Bahnhöfen mit Kameras überwachen soll und im Notfall die Signale auf rot stellt. Aber auch hier gilt der Kommentar von The Exit: direkt vor der U-Bahn gibt es keine Chance. Aber zumindest würde es die Überlebenschance derjenigen erhöhen, die über eine Minute oder so vor Einfahrt des Zuges auf die Schiene fallen und aus irgendeinem Grund nicht schnell geborgen werden können.
Nico
31. Oktober 2008
17:46 Uhr
Erst letzte Woche ist ja in Berlin ein Mann unter eine Straßenbahn gekommen und dabei tödlich verunglückt. Und die war nicht führerlos. Als ich früher in Mannheim gewohnt habe, gab es auch mehrfach teilweise tödliche Unfälle mit Straßenbahnen – obwohl die Strecken sehr gut einzusehen waren. Aber irgendwann schlägt leider immer die „Kombination unglücklicher Zusammenhänge“ zu. Doch sind solche Ereignisse meist spektakulärer als fast „alltägliche“ Autounfälle. Ich glaube aber trotzdem nicht, dass sie das System in Verruf bringen. Die Zeitangabe habe ich korrigiert, danke!
Zeuge
31. Oktober 2008
23:11 Uhr
Hallo erstmal.
Also ich nehme die automatische Bahn vollkommen in Schutz. Ich würde leider Augenzeuge dieses “Unfalls”. In dem Moment hatte ich mit Anderen die fragwürdige Ehre an den Platz zu stehen an dem eigentlich der Zugführer stehen würde. Bremsen unmöglich! Fremdverschulden ist aus meiner sehr guten Sicht auszuschließen und zufällig ist die Frau auch nicht aufs Gleis gestürzt. Die Folgerung ist wohl ziemlich eindeutig. Wenns jemand drauf anlegt unter die Bahn zu kommen schafft er es auch, trotz aller Sicherheitsmaßnahmen. Nur der Erfolg einer solchen Aktion ist sehr fragwürdig, meines Wissens enden nur etwa 50 % der U-Bahn Suizidversuche tödlich. Es ist dementsprechend mit schwersten körperlichen Schäden zu rechnen.
Ganz abgesehen davon sind die psychischen Folgen für Zeugen, Bergungspersonal und so weiter nicht gerade ausser Acht zu lassen.
Ich hätte gerne auf diese Erfahrung verzichtet….
U-Bahn-Blog &raq...tet
1. November 2008
11:47 Uhr
[…] Nachtrag am 01. November: In einigen Blogs und Diskussionen hier und hier wurde nun die Frage aufgestellt, ob sich die Tragödie hätte verhindern lassen? Dass hier, um Personalkosten bei den U-Bahn-Fahrern einzusparen, eine Person ihr Leben lassen musste? In den Kommentaren im Stadtbahnblog schreibt eine Augenzeugin, “zufällig ist die Frau nicht auf die Gleise gestürzt“. […]
U-Bahnfahrer
2. November 2008
18:11 Uhr
Hallo,
sowas ist schon immer dramatisch…
ich selbst hatte auch mal jemanden der auf die Gleise gestürzt ist, zum Glück ist aber in diesem Fall nix passiert, da ich schon aus dem Tunnel gesehen hab das irgendwas auf den Schienen liegt und noch rechtzeiitg dank Notbremsung zum stehen kam trotz meiner 40 km / h…
RobertT
3. November 2008
18:25 Uhr
@Schaffner:
Es gibt in Nürnberg durchaus ein Gleis-Überwachungssystem, das Personen im Gleisbereich zuverlässig erkennt und bei einer automatischen U-Bahn innerhalb von Sekundenbruchteilen den Bremsvorgang einleitet, das geht aus dem Artikel nicht wirklich hervor. Nur wie gesagt war die U-Bahn einfach zu nahe dran, sodass fast kein Bremsweg mehr vorhanden war.
DominikH
16. November 2008
21:00 Uhr
Ich finde, dass bei jeder Automatischen U-Bahn generell Glasscheiben eingebaut werden sollten, um sicherheit zu erfüllen.