Es gibt Momente, in denen einem in Sekundenbruchteilen Erkenntnis zuteil wird, die das restliche Leben beeinflußt:
- – der Krieg ist verloren,
- – sie ist nicht die Frau für’s Leben und
- – ich werde mit knurrenden Magen meinen Trolley durch die weite Tristesse der neuen sozialistischen Stadt schleppen.
Da waren sie wieder – meine Frühstücksbuffetfreunde: Tischabfallbehälter, Einzelportiönchen Butter, die ohne Fettfinger nicht aus ihrer Verpackung zu befreien sind, kleine – mit Folie verschlossene – Plastikbehälter, die wahlweise Nußcreme, Diätmarmelade oder Streichirgendwaswurst oder -käse enthalten.
In meiner letzten REM-Phase an diesem Sonntag morgen träumte ich noch von “fluffige Ost-Schrippe meets südtiroler Marillen-Marmelade”. Das war vielleicht etwas viel verlangt und ich hätte mich sicherlich auf Kirschmarmelade herunterhandeln lassen, wäre die Schrippe non-negotiable item gewesen. War sie leider jedoch nicht.
Abgerundet wurde mein Eindruck noch durch das Teewasser aus dem Samowar – die barometrische Höhenformel kann ich nicht mehr aus dem Stehgreif ableiten, aber Wasser kocht m.W. nach in Berlin bei 100 Grad Celsius – und die leckeren Früchtetees, die dort plaziert waren, wo der aus dem Koffer lebende Berufsnomade normalerweise Darjeeling oder Assam vermutet.
Fazit:
Bevor ich mich mit einer Flasche Pennerglück in den nächsten Park zu Hase und Igel begebe, würde ich dem Agon noch ein zweite Chance geben. Aber ausschließlich dann.
Denn für 64 EUR pro Nacht erwarte ich deutlich mehr.
Adresse:
Hotel Agon am Alexanderplatz
Mollstraße 4
10178 Berlin



